Meine Heimat, meine Liebe: der VfL Bochum

In Bochum aufgewachsen, seit Kindesbeinen ins und ums Stadion geschlichen, findet
Uwe Fellensiek den Weg regelmäßig in das Stadion an der Castroper Straße – egal, wo er sich gerade befindet!

So singen es die Fans seit Jahren… Und immer wieder dabei sein, mitmischen mit den Grossen, es immer wieder neu anpacken, mit neuen Spielern, die wir in unserer Jugend- und Amateurabteilung ausgebildet und herangeführt haben an die heikle Aufgabe 1. Liga. Seit 40 Jahren nehme auch ich teil an der Welt des VfL Bochum. Anfang der 60er Jahre bin ich meist über die Stadionmauer geklettert: Anlauf nehmen vom Erdwall vor der Krümmede über die Castroper und zack ein Stück an der Mauer hoch und festhalten am Stacheldraht und schwups – drin war man – kein Thema. Oder auch den direkten Weg unter dem Kassenschalter durch (ich war schon immer der Kleinste in der Grundschule) und am verdutzten Kartenabreisser vorbei und dann rennen auf den kurzen Beinen – hinein ins wohlige Gedränge der Fans. Ebenfalls kein Thema.

Für ewig verankerte Erinnerungen an die phantastischen Aufstiegsspiele in die Bundesliga, an die unglaublichen Pokalfights gegen die gesamte Creme des deutschen Fußballs, die bitteren Niederlagen in den Endspielen gegen Köln und gegen Frankfurt. Das unfassbare Spiel gegen die Bayern, als wir zu Beginn der 2. Halbzeit 4:0 in Führung gingen und zum Schluss 5:6 verloren gegen Beckenbauer, Müller, Meier & Co., Wahnsinn !
Meine Freundin war ohnmächtig zusammengebrochen, die Sanitäter kämpften sich vom Rasen hinauf zu uns durch die tobende Masse und ich war hin- und hergerissen zwischen Fürsorge und Fußballdramatik – zwischen Sanitätsraum und Stadionkessel. Und dann die phantastischen Uefa Cup Spiele. Die unglaubliche 2:0 Führung in Ajax…jaa…da haben wir geträumt vom U-Uefa Cup, aber deutscher Meister?
Ernsthaft wird in der gesamten Vereinsgeschichte niemand gewagt haben, darüber nachzudenken. Auch ich war mir bislang sicher, dass während meines irdischen Daseins ein solcher Titel niemals eingefahren werden kann hier in Bochum. Aber genau dieses Denken ist es doch, das auf unseren Schultern liegt wie verrostetes Eisen. Und hier gilt es einen Neuanfang zu machen. Die Zeit war nie günstiger.
Schon lange hat mich die Mannschaft nicht mehr so überzeugt wie in ihrem phantastischen Spiel gegen Bayer. Jetzt müssen Fans und Verein, Mannschaft und Presse zusammenstehen und Taten folgen lassen, auf dem Weg in eine meisterliche Zukunft.

… und wir holen den U-Uefa Cup und wir werden deutscher Meister… !

Tja, so ist der Fußball.

Berauschend, beglückend und voller Emotionen. Aber auch zutiefst frustrierend, zum heulen demütigend.
Als Fan meines Clubs mußt du charakterlich gefestigt sein, sonst hälst du es nicht lange aus. Nach dem enttäuschenden Ende der Relegationsspiele gegen die Gladbacher, denen ein 1:1 an der Castroper Straße reichte um die 1. Liga zu erhalten und uns aus unseren kühnen Träumen zurück in die Tristesse der 2. Liga schickte, brachen die schwersten Zeiten für uns Bochum Fans an, seit ich denken kann.

Seit gefühlten 10 Jahren kicken unsere Jungs nun im Mittelmaß vor sich hin.
Den Abstieg in die Drittklassigkeit vor Augen, von Saison zu Saison immer wieder die besten Spieler verkaufend, muß ich mir inzwischen Sorgen um die Identität meines VfL Bochum machen. Als “Freunde und Förderer” des Vereins haben wir mit kompetenten Mitstreitern versucht, unsere Sorgen und unsere Ideen in die Wahrnehmung der Führungsspitze mit Villis, Hochstätter, Kree und Goosen zu projizieren. Es brauchte 2 Jahre, um zu kapieren, daß das dort niemanden wirklich interessierte. 0,00 % unserer Vorschläüge wurde angenommen. Die Internet Fußballshow “So ist Fußball”, für die wir viel Energie und Zeit investierten, wurde von Seiten des Vereins kaum unterstützt. Kontaktversuche mit der operativen Vereinsspitze gestalteten sich zunehmend zäh und unerfreulich. In letzter Zeit habe ich kaum noch Lust die Heimspiele zu besuchen. Auswärtsspiele wie noch zu Beginn der Saison 15/16 sind zumeist nur sind nur noch demütigend und unerfreulich. Und um dem Ganzen nun die Krone aufzusetzen, erwägt der Verein, seine Fußball Profiabteilung gänzlich auszugliedern. Wir Fans wären dann auf Gedeih und Verderb fußballfremden Investoren ausgeliefert. Geldgebern, denen Tradition, Identität, Fanvertrauen, etc. fremd sind. Für die die eigene Rendite und die Präsens ihrer Marke im Fokus ihres Handelns steht.

Das Geschäft mit dem Fußball als alleiniger Antrieb ihres Handelns. Als hätte die Verkommerzialisierung des Fußballsports nicht schon Formen angenommen, die ein einfacher Fan nur noch als Lebensfremd und grotesk empfinden kann. Eine schreckliche Vorstellung für mich, der seit nun 55 Jahren dem Verein die Treue hält. Ich jedenfalls werde dagegen stimmen. Ich setze auf unsere seit vielen Jahren gute Jugendarbeit, auf ein mit den Werten des Vereins abgestimmtes Scouting, auf das etwas bessere Näschen unserer sportlichen Leitung und auf unsere echten blau/weißen Fans, die mit ihren Aktionen und Ideen immer voll hinter ihrer Mannschaft stehen werden. Und ich glaube an eine erfolgreiche Zukunft. Die Hoffnung stirbt zuletzt.