Ehe- und Berufsleben

Tja, meine lieben Freunde, was soll ich sagen. Aus dem vermeintlichen Volltreffer wurde letztendlich eine finster böse Schlappe.

SK Kölsch lief wie geschnitten Brot. Top-Einschaltquoten von bis zu 20% bescherten dem Sender gute Werbeeinahmen. Ich wurde behandelt, wie ein Star. Man lud mich zu Preisverleihungen und edlen Partys, sowie zu Superbowls in Miami und Atlanta. Man konnte mich mit einem Glas Champagner in der Hand auf der Kieler Woche ebenso treffen, wie auf Schloss Hugenpoth, bei der großen Sat.1 Gala, mit schönen Frauen und prominenten Kollegen.
Die Autogrammkarten gingen weg, wie warme Semmeln und mich überkam die wärmende Erkenntnis: alter Knabe, du hast’s geschafft.

Wie sehr man sich doch täuschen kann.

Während ich an alles Fronten Vollgas gab, schob meine geliebte Ehefrau, die sich während meiner Dreharbeit zu Hause in Belgien bei den Kindern aufhielt, für mich unerklärlichen Frust. War sie doch stets in meiner Begleitung und hatte regen Anteil an den sonnigen Seiten des Erfolgs.
Wenn das Glück zu dir kommt, dann musst du es festhalten, so lange und so gut es geht. Das hatten wir uns ganz fest vorgenommen. Der Preis für dieses Glück, das sich natürlich auch in Zahlen veranschaulichen ließ, war nicht gering. Hauptrolle in einer wöchentlichen Serie bedeutet, sich kompromißlos, mit Haut und Haaren dieser Aufgabe zu verschreiben und hinzugeben.

Wenn ich von einer lockeren 75-Stunden-Woche nach Hause kam in unser traumhaft schönes 350qm Jugendstil-Haus und mich vor allem nach Entspannung und Wärme, Geborgenheit in der Familie mit Frau und Kindern sehnte, flogen nach kurzer Zeit die Fetzen. Und wenn ich sage, es flogen die Fetzen, dann meine ich auch: es flogen die Fetzen!

So ging nicht nur ein Teil unserer ausgesuchten Einrichtung zu Bruch, sondern zwangsläufig auch unsere zarten Seelen, inklusive die der Kinder und es fällt mir nicht leicht, das zu sagen, aber so war es. Ehehölle ist bei weitem kein Ausdruck für das Desaster, in das wir uns komplett verloren. Dünnhäutig und gereitzt, ausgepowert und nervenschwach verloren wir schließlich völlig die Kontrolle über unser gemeinsames Ziel, einen komfortablen Platz am reich gedeckten Tisch der Unterhaltungsindustrie zu behaupten und zu genießen. So trennten wir uns schließlich, um uns… voreinander zu schützen. Sie behielt das Haus und ich verkroch mich in meine kleine Arbeitswohnung in Köln. Wir versuchten uns aus dem Wege zu gehen. Nur 10 Monate hatte diese Ehe gedauert und es sollten weitere 8 Jahre der Trennung folgen. Herzzerreißende, desillusionierende Trennungsjahre mit diversen Ehe- und Partnertherapien und mit tränenreichen Versöhnungsversuchen, die allesamt zu nichts führten. Noch heute leidet mein Leben unter den Auswirkungen dieser Tragödie.

Obwohl ich während dieser ganzen Zeit und auch danach immer fleißig meinem Beruf nachging – und ich frage mich noch heute, wie ich das geschafft habe – eine Folge SK Kölsch nach der anderen abdrehte, es wurden knapp 100, das Glück und die Freude, das Geschenk der Liebe wollte nicht so einfach zurückkehren, in mein stressiges und zerwühltes Leben.

Um die Beziehung zu meinem Sohn Jonny, der mein absolutes Wunschkind war und den ich über alles in der Welt liebe, muss ich bis heute teils erbittert kämpfen. Nachdem ich mein neues Domizil ganz in seiner Nähe bezogen hatte, ging meine Exfrau von einem Tag auf den anderen nach Berlin zurück, wo sie ihn einschulte und nun seit knapp 6 Jahren, inzwischen liiert mit einem ehemaligen Kumpel von mir aus meiner Bochumer Heimat, im schönen Charlottenburg lebt.

Natürlich freue ich mich, dass Jonny sich so prächtig entwickelt und trotz der geschilderten Ereignisse bisher keine traumatischen Verhaltensstörungen gezeigt hat. Dennoch setzt ihm das fortwährende, scheinbar nie enden wollende Gezeter, das alberne, eitle Getue, und verantwortungslose Gerangel seiner Eltern mehr und mehr zu, denn er ist sensibel und verletzbar. Dennoch bleibt er erstaunlich locker, ist lustig, gewissenhaft und kindlich unbeschwert. Die Durchsetzung des Umgangsrechts ist äußerst schwierig. Trotz der hohen monatlichen Unterhaltszahlungen über all die vergangenen Jahre, die immer pünktlich und kommentarlos geflossen sind, scheint das Vorenthalten des Kindes noch immer ein probates Mittel für die Mutter, um dem Kindesvater wehzutun. Die Durchsetzung von Rechten für Väter, soweit das deutsche Gesetz solche überhaupt vorsieht, ist schwierig.

Ich will mich hier nicht in Selbstmitleid und Selbstgerechtigkeit verlieren und will auch nicht den Eindruck vermitteln, als schriebe ich dies, allein gelenkt und angetrieben vom Motor der Wut, oder gar des Hasses. Aber auch ich bin schwach und verletzbar und man möge mir verzeihen, wenn meine Gefühle mich überwältigen und ich ungerecht sein sollte. Deshalb sei hier Schluß und werde nicht weiter über dieses für alle Seiten schmerzliche und heikle Thema gesprochen.

Auf alle Fälle bemerkenswert ist sicherlich das Ende von SK Kölsch. Nach 8 Jahren Drehzeit und rund 100 Serienfolgen, für die ich mich nicht zu schämen bereit bin – tatsächlich sind einige wunderbare Filme entstanden, die mir ans Herz gehen und über die ich mich köstlich amüsieren kann – erfuhr ich erst von Freunden und später durch die Presse, dass die Serie abgesetzt worden war. Es gab niemanden beim Sender, der sich bemüßigt gefühlt hätte, diese Kunde an die Hauptschaffenden weiterzuleiten. Nachdem man verschiedene durchgehende Rollen gestrichen hatte, die Drehzeit pro Folge im Laufe der Jahre von 13 auf 8 Tage verkürzt und die Serie wie eine Zitrone ausgequetscht hatte, war keiner der Verantwortlichen bereit, das Ende zu verkünden, zumindest nicht uns Schauspielern, die wir all die Jahre an vorderster Front gearbeitet hatten. Monate später erhielt ich zu meinem 50. Geburtstag – offenbar war ich noch immer im Sat.1 Verteiler – eine lustige Geburtstagskarte samt einer Flasche Rheinhessen Wein, die ich mich noch nicht einmal getraut hätte, zu Ostern an die Jungs von der Müllabfuhr weiterzugeben (die Jungs mögen mir verzeihen).

Seither ist es ruhiger geworden. Ich kümmere mich wieder mehr um mich selbst und meine vernachlässigten Freunde, arbeite im Garten und reise durch die Welt. 2006 und 2007 habe ich mal wieder Theater gespielt und ein paar mehr oder weniger unbedeutende Filme gedreht. Außerdem habe ich Lesungen gemacht und dabei Seemannslieder gesungen, die ich im März aufnehmen werde, um dann damit auf Tournee zu gehen. Ansonsten sitze ich in meinem gemütlichen Büro, formuliere Filmideen, schreibe Briefe, Texte und Einkaufslisten, denn ich koche gern. Seit Anfang des Jahres bin ich wieder im Training und bringe mich in Form für zukünftige Aufgaben.

Glück auf!