Musikerleben

Mit 7 Jahren wird ein erster Kindertraum wahr: meine Eltern schenken mir eine Gitarre. Ich bekomme eine klassische Gitarrenausbildung von einem Gitarrenlehrer aus der Nachbarschaft, der mich streng und unerbittlich bearbeitet. Ich darf erste Etüden bei feierlichen Anlässen in der Schulaula des Theodor-Körner-Gymnasiums vortragen.

Die gute, alte Schlaggitarre schaue ich mir von den Beatles und den Stones ab. Gemeinsam mit meinem Bruder, der sich inzwischen auch eine Klampfe zugelegt hat, üben und singen wir täglich, dass den Eltern die Haare zu Berge stehen, mit niemals nachlassendem Eifer und größter Leidenschaft und Freude. Die Gitarre ist mein ständiger Begleiter. Ich singe die Hitparaden rauf und runter, für jedes Publikum, auf Partys, im Urlaub in Spanien, in den großen Pausen in der Schule…

Mit 16 gründe ich mit meinem Schulfreund unsere erste Band: “Llanfare” mit Doppel “L” am Anfang, der Name einer walisischen Stadt und erstes Wort einer sagenumwobenen Legende. Knapp 2 Jahre später ziehe ich ein in die “Kommune Bertha” – einer inspirierenden WG in der Bertha Straße in Bochum-Hordel. Die meisten, die hier fest wohnen, sind “irgendwie” Musiker. Eine Bandgründung liegt auf der Hand, genau so wie ihr Name: “Bertha & Friends”. Wir managen uns selbst und nennen unsere Agentur ” Arsch Hoch Company”.

Unsere erste LP nehmen wir in einem Studio von befreundeten Freaks auf dem Land in der Schweiz auf. Ein Zufall beschert uns den Titel: “Work of Art”? Wir vertreiben das Kunstwerk auf unserem selbst gegründeten Label: Beppo Records` – Beppo, der Name unserer schwanzlosen (also ohne Schweif…) WG-Promenadenmischung Hund und fortan sind “Bertha & Friends” auf Dauertournee. Wir spielen auf Schulfesten, Unipartys, in Jugendzentren, auf Marktplätzen, Festivals wie “Vlotho – umsonst und draußen”, usw. Die Gagen reichen für unsere nötigsten Ausgaben. Das Leben besteht nur noch aus Musik – die 2. LP “Child of the Town” erscheint 1977, kurze Zeit später ist Schluss. Ich habe mich im Laufe der Jahre verändert. Die Zeiten haben sich verändert.

Ich studiere nebenbei Bergbau in Aachen. Die Band fällt auseinander. Ich leihe mir Geld zusammen und kaufe einen Musikclub in Bochum – mein erster eigener Laden – “Spektrum”. Hier spielen wir noch einige spektakuläre Konzerte u.a. mit den “Einstürzenden Neubauten”, “Abwärts”, “Extrabreit” …

Meine Kontakte zu befreundeten Musikern aus Köln und Wuppertal werden immer konkreter und führen schließlich zur Gründung der 4 Mann Formation “Kowalski”. 1980, nach gut einem Jahr harter Arbeit, nehmen wir die erste LP auf. Sie wird produziert von Conny Plank – derzeit das Beste, was uns passieren konnte.

Der Titel “Schlagende Wetter” bezeichnet ein hochexplosives Methan Gas Gemisch, das oft Ursache für schwere Grubenunglücke war und immer noch ist. Wir machen die Cover und Pressefotos in den Kulissen von “Rote Erde” in den Bavaria Studios in Grünwald – nackt und rußverschmiert.
Wir bekommen den ersten Plattenvertrag bei Virgin Records und sind auf dem Weg nach “oben”.

Unsere erste Tournee führt uns über Holland nach England und schließlich durch ganz Europa, kaum ein Top-Club, in dem wir nicht spielen: Paradiso in Amsterdam, Olympia in Paris, Lyceum in London die Festivals Pandora´s Box oder Roskilde – heute Stockholm morgen Rom. Wir touren u.a. mit Theatre of Hate, Johnny Lydon´s (Rotten´s) PIL, Siouxie & the Banshees.
Die Plattenfirma beklagt dennoch nicht ausreichende Plattenverkäufe. Die Schrauben werden enger gedreht. Wir produzieren neue Songs – überwerfen uns darüber mit Virgin – veröffentlichen schließlich 3 Songs bei SPV (Zigeunerbaron) und sind wieder rund ein Jahr im Ausland auf Tournee – bis wir völlig ausgebrannt eine längere Pause einlegen müssen – der Traum scheint geplatzt – wir sind vollkommen frustriert.
Ich versuche ein Solo-Comeback bei Virgin mit “Malaguena” – doch die Zusammenarbeit funktioniert nicht mehr.
Gemeinsam mit Freunden aus der Filmszene entwickeln wir den Soundtrack zum Film “The Wonderbeats – Kings of Beat”, der die Geschichte der Rattles widerspiegelt. Die CD erscheint bei “Chlodwig Musik” (´91).Gemeinsam mit meinen Jungs von “Kowalski” produzieren wir jede Menge abgefahrene Musik, aber niemand will uns einen angemessenen Plattenvertrag anbieten.
Auch ein letzter Versuch, das letzte Konzert von “Kowalski” 1993 im Stadtgarten in Köln bleibt letztlich unbelohnt.
Ich widme mich seitdem mehr der Schauspielerei und habe es da zu ein paar mehr oder weniger guten Filmen, sowie zum Hauptkommissar Jupp Schatz in der Serie “SK Kölsch” gebracht.
Hier machten die Drehbücher es möglich, zunächst mit Wolfgang Niedecken und BAP, die auch die Titelmusik zur Serie schrieben (Ahnunfürsich) und später, in einer anderen Folge, zusammen mit Peter Brings und seiner gleichnamigen Kapelle, live auf den Rheinterrassen den Gassenhauer “Superjeilezick” zu spielen und für`s TV zu verewigen. Immerhin.
Aber ich habe noch eine Rechnung offen… Schaun ´mer mal…